Der gute Eifer

von Sascha Rakers
31. Dezember 2019
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In der App Hora Benedicti (für iPhone und Android) wurde mir heute folgende benediktinische Regel präsentiert:

Wie es einen bitteren und bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle führt, so gibt es den guten Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen Leben führt. Diesen Eifer sollen
also die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen, das bedeutet: Sie sollen einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen; ihre körperlichen und charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher Geduld ertragen; im gegenseitigen Gehorsam
sollen sie miteinander wetteifern; keiner achte auf das eigene
Wohl, sondern mehr auf das des anderen; die Bruderliebe sollen sie einander selbstlos erweisen; in Liebe sollen sie Gott fürchten;
ihrem Abt seien sie in aufrichtiger und demütiger Liebe
zugetan. Christus sollen sie überhaupt nichts vorziehen. Er führe
uns gemeinsam zum ewigen Leben.

Benediktiner.de, URL: http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt/gemeinschaft-in-liebe/der-gute-eifer-der-moenche.html, abgerufen am 30.12.2019

Diese Regel passt doch so gut zum Beginn eines neuen Jahres. Ist jetzt nicht wieder die Zeit, in der sich Menschen wieder einmal vornehmen, abzunehmen, weniger zu rauchen oder mehr Sport zu treiben. Warum aber nicht einmal den guten Vorsatz fassen, sich gegenseitig mehr zu achten wie es den Benediktinern in obiger Regel vorgeschrieben ist?! Wie viel weniger Streit gäbe es, wenn wir uns nicht ständig vorhalten würden, was uns einander stört; wenn wir unsere „körperlichen und charakterlichen Schwächen […] mit unerschöpflicher Geduld ertragen“ würden? Doch um unseren Mitmenschen wirkliche Achtung zu erweisen, müssen wir zunächst einmal von unserem hohen Ross herabsteigen, uns nicht ständig selbst erhöhen und uns als besser als die anderen ansehen. Aber genau dieser Stolz, den viele noch vor sich hertragen, hindert an wirklich gelebter christlicher Nächstenliebe. Die besteht darin, den Bedürftigen, den Alten, den Kranken und Sterbenden beizustehen – nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch geistlich und mit unserer Zeit. Sorgen wir doch für unseren Nächsten mehr als für uns selbst – auch wenn zig tausend Bücher zum Thema Selbstverwirklichung genau das Gegenteil behaupten. Erfüllen wir täglich im Privaten wie im Beruf gehorsam unsere Pflichten; gehorsam auch zueinander; gehorsam gegenüber unserem Chef, unserem Ehepartner oder unseren Eltern. Und vergessen wir dabei niemals Gott.

Bildnachweis:
Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

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